Dienstag, 19. Januar 2016

Die Dame und das Orchester

Dieser Artikel beschreibt Stimmungen und Eindrücke das Konzertes von Maria João Pires zusammen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Trevor Pinnock in der Laeiszhalle Hamburg am 12. Januar 2016. Einen tollen, ausführlichen Konzertbericht finden sie bei Bachtrack.


Maria João Pires war auffällig und unauffällig zugleich. Alle hatten auf sie gewartet, und als sie auf der Bühne erschein war sie das Zentrum der Aufmerksamkeit aber auch der Bescheidenheit. Sie nahm die ihr entgegengebrachte Begeisterung höflich entgegen, kostete sie aber keineswegs aus. War gänzlich konzentriert auf die Sache des Konzertvortrags. Selbiger stand an diesem Abend völlig ausser Frage. Wie erwartet. Diese Musikerin ist eine Ausnahme. Sie spielte das Chopin Klavierkonzert mit der Selbstverständlichkeit, als würde sie ein altes Volkslied spielen im Kreise lieber Zuhörer oder Mitmusikanten. Sie bewegte sich mit, fühlte und intonierte mit, aber nur in dem Maße wie es ihr gerade notwendig erschein. Niemals zu viel. Eben so wie jemand, die über all das nicht mehr nachdenkt, sondern völlig in Gedanken versunken automatisch und dennoch aus sich heraus genau das macht was sie gerade machen will. Intrinsische Ruhe und Meditation. Nun hatte sie sehr wohl an allen dafür entscheidenden Stellen beherzt und bewegend interpretiert, daran bestand kein Zweifel! Aber diese ihre Grundattitüde erzeugte die Wirkung ihres Spiels auf mich als in erster Linie beruhigend und entspannend. Dadurch zeigte sie auch von aussen betrachtet etwas weniger direkten Kontakt zum Orchester und zum Dirigenten als manch andere Solisten, was aber nicht bedeutete dass sie nicht nahe beim Orchester war. Es war mehr eine Art blindes Verständnis, wobei die große Erfahrung aller beteiligten Musiker direkte Kommunikation etwas weniger wichtig machte. Und die Musiker der Kammerphilharmonie hatten ohne Mühe die notwendige Sensibilität zur Verfügung um Pires angemessen zu begleiten.

Nach der Pause folgte die Jupiter Symphonie. Immer wieder schön dieses Werk in anderer Interpretation zu hören. Jedoch bin auch ich der Meinung dass das Orchester hier nicht seine stärkste Phase hatte. Zwar bemühten sich der Dirigent Trevor Pinnock und die Orchestermusiker das Werk mit bewussten Entscheidungen darzubieten, und man sah durchaus den Spaß am spielen. Aber letztlich schienen die Musiker durch die Anforderungen des Werkes an ihre Grenzen zu stossen. Und es waren nicht nur Ungenauigkeiten die mir auffielen, sondern auch die eine oder andere Unausgewogenheit. Die einzige Flöte hatte leider nicht die Durchsetzungskraft um die bei Mozart im Allgemeinen und bei dieser Symphonie im Speziellen so wichtigen Akzente zu setzen. Wenn man fest mit dem verändernden Element der Flöte in sich wiederholenden Melodien rechnete, dann blieb dies an dem Abend aus, ja fehlte fast ganz. Auch hätten viele Melodien oder Sequenzen deutlicher und konsequenter intoniert werden können. Letztlich weil das Orchester sie so spielte, aber auch der Dirigent schien damit zufrieden zu sein, und forderte das Orchester nicht weiter.
Im Schlußsatz und am Ende stand jedoch der Spaß am Ereignis und an dieser wunderbaren Musik im Vordergrund, so daß doch auch hier - so wie im restlichen Konzert - der begeisternde Funke eines beherzten Vortrages auf das Publikum übersprang.

Gespielte Werke:
Wagner, Siegfried Idyll
Chopin, Klavierkonzert No. 2
Mozart, Symphonie No. 41 “Jupiter”